6.1.4 Subventionen

Subventionen sind Zuschüsse des Staates an Marktteilnehmer. Man kann Sie als negative Steuern darstellen. Wenn wir die Umsatzsteuer, die ein Verkäufer abführen muss, mit einer Subvention für den Produzenten vergleichen, dann sieht man, dass im Fall der Steuer, der Verkäufer einen geringeren Betrag behält (Nettopreis), als durch den Marktpreis (Bruttopreis) ausgewiesen wird. Die Differenz ist die Steuer: Steuer = Pbrutto Pnetto. Bei der Subvention ist dies umgekehrt. Der Verkäufer erhält eine Prämie für jede verkaufte Einheit, also Subvention = Pnetto Pbrutto.

Auch eine Subvention erzeugt einen Wohlfahrtsverlust. Dieser entsteht nicht wie bei der Steuer dadurch, dass die Marktpartizipation fällt, also weniger Individuen vom Markt profitieren als möglich wäre, sondern dadurch dass übermäßig viele nur am Markt teilnehmen, weil der Staat dies bezuschusst. Die Kosten des Staates für jeden Marktteilnehmer sind dabei höher als dessen individueller Nutzen, so dass sich insgesamt ein gesamtgesellschaftlicher Wohlfahrtsverlust einstellt. Auch hier sind natürlich externe Effekte gegenzurechnen. So werden beispielsweise Subventionen gezahlt, um eine hinreichend hohe Produktionskapazität zur Versorgungssicherung zu erhalten (z.B. Strommarkt, Landwirtschaft), Kurzarbeitergeld um Firmenpleiten oder Massenentlassungen zu verhindern oder Umwelt- und Naturschutzeffekte zu erzielen (z.B. Stillegungsprämien und Auflagen in der Landwirtschaft). Hier werden seitens der Politik klar die Kosten (monetär und ökonomisch) gegen den möglichen Nutzen (gesellschaftlich oder politisch) abgewogen.

Gründe, die oft zu ökonoischen und/oder gesellschaftlichen Wohlfahrtsverlusten durch Subventionen führen, ergeben sich zumeist aus vier Konfliktpunkten:

  1. Ein Großteil der Kosten und des Nutzens wird erst in der Zukunft realisiert. Hier können die Einschätzung der Entwicklungen und die Erwartungen der Akteure voneinander abweichen oder auch grob falsch sein, so dass suboptimale Ergebnisse realisiert werden.
  2. Ein Großteil der Kosten und des Nutzens sind nicht monetär und auch nur schwierig gegeneinander abzuwiegen. Ebenso können die Diskontfaktoren der Akteure voneinander abweichen, so dass es zu unterschiedlichen Gewichtungen der Resultate kommt. Ein für Person oder Gruppe A optimales Ergebnis ist aus Sicht von Gruppe B schlecht. Die möglichen Koordinationsmechanismen sind, da hier kein Markt vorliegt, oft intransparent und wenig flexibel.
  3. Oft dienen Subventionen vornehmlich der Generierung oder dem Erhalt politischer Macht, so dass von den Entscheidern die ökonoischen/gesellschaftlichen Kosten zu Lasten anderer in Kauf genommen werden.
  4. Letztlich ist es aber auch so, dass von den Subventionen oft nur wenige dafür aber sehr stark profitieren, die Kosten aber auf die Gesamtbevölkerung umgelegt werden, so dass jeder einzelne nur wenig belastet wird. Somit sind die Anreize klar verteilt: Die wenige Profiteure werden sehr (laut)stark für die Subvention eintreten oder hinreichend viel in Lobbyismus investieren, während es die breite Masse zumeist wenig interessiert.


(c) by Christian Bauer
Prof. Dr. Christian Bauer
Lehrstuhl für monetäre Ökonomik
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